Olympia: Good, Bad, meh

In diesem Beitrag weiche ich vom üblichen Format von Pressschlag ein wenig ab und stelle vor, welche Sportarten bei den Olympischen Spielen gut, welche schlecht und welche überragend sind.

Grob gesagt gibt es dabei folgende Kategorien:
  • WTF?
  • Good Sports
  • meh
  • Apothekenrundschau
  • is this a sport?

Die Einschätzung spiegelt dabei meine persönlichen Vorlieben, hat aber durchaus einen gewissen intersubjektiven Geltungsanspruch.

Volleyball

Der beste olympische Sport; Photo: Paul Hudson, © CC-by-NC 2.0

wtf-omg-thisisamazing

1. Volleyball

ist phantistisch: Eleganz, Geschwindigkeit und Kraft kombiniert mit spannenden Spielverläufen in einer Sportart, die zu selten im Mittelpunkt steht

2. Rudern

ist die Kraftsportart, die den stärksten Fokus auf Technik legt - und vielleicht die tiefste Erschöpfung hervorruft

3. Trampolin

ist alles was an Turnen gut ist

4. Turnen

zeigt Leistungen, die so unvorstellbar sind, dass Assoziationen mit eigenen physisch und psychsisch schmerzhaften Erfahrungen gar nicht erst entstehen. Nur die Kostüme sind bescheuert

5. Rugby

ist nich zuletzt toll, weil es den Fidschi Gelegenheit gab, im Finale gegen Großbritannien ihr 7-1 zu erleben, und bietet außerdem viel Dynamik und witzige Gedränge

Good

6. Badminton

ist faszinierend nicht zuletzt wegen der Kombination aus schnellen und langsamen Bewegungen des shuttle cock

7. Bogenschießen

ist eine optimale olympische Sportart: sehr entspannt, exotisch gegenüber den üblichen Sehgewohnheiten und mit Leistungen von faszinierender Perfektion. Vielleicht würde der Sport von einer Disziplin mit bewegten Zielen profitieren, die zwar viele der kontemplativen Qualitäten von statischem Bogenschießen missen würde, aber dafür dynamischer wäre. Nur die scheinbar unnötige Geschlechtertrennung wirkt eigenartig.

Bogenschießen

Kontemplativ und mit einem besonderen Stil, hier die dominierenden Südkoreaner; Photo Republic of Korea, © CC-by-SA 2.0

8. Tischtennis

ist gefühlt genauso schnell wie Badminton, und auch hier gibt es spannende Rythmuswechsel. Nur Nuancen Trennen beide Sportarten: Tischtennisbälle sind weniger cool als Federbälle, und die Dominanz Chinas zu total.

9. Taekwondo

man mag schon gemerkt haben, dass ich schnelle Rückschlagspiele mag. Taekwondo ist mehr oder weniger das, nur in Kampfsportform

10. Fechten

auch dieser Sport profitiert vom Schema eines schnellen Austausches von Paraden und Riposten. Hinzu kommt dass der Anachronismus der Tätigkeit ihr die militaristische Kante nimmt.

11. Hockey

ist das bessere Fußball. Zwar gibt es einen extremen Fokus auf Standardsituationen (kurze Ecken) und deren Provokation, aber immerhin sind hohe Flanken verboten

12. Handball

amalgamiert viel von dem, was an Ballsportarten gut ist; und bietet seit siebte Feldspieler populär wurden ein gutes Beispielvon Spieltheoretischen Überlegungen

Meh

13. Moderner Fünfkampf

how is this still a thing? Keine Ahnung, aber die Vielseitigkeit der Anforderungen macht den Sport reizvoll, und auch hier wirken die militärischen Disziplinen eher pitoresk als bedrohlich (wann wird Fechten durch capture-the-flag-hacking ersetzt?)

14. Judo

ist unprätentiös und eine jener Sportarten, in denen fast alle das Geschehen erst ex post begreifen. Auch das macht Olympia aus. Plus: gemütlich aussehende Anzüge

15. Triathlon

vereint drei mittelmäßig interessante Ausdauerdisziplinen zu einem mäßig interessanten Wettbewerb

16. Freiwasserschwimmen

verlangt wohl gerade bei diesen Spielen eine imposante Leidensfähigkeit im Kampf gegen Mitbewerber und Müll im Wasser. Trotzdem nicht berauschend

17. Wasserspringen

wird toll durch vieles, dass auch in Turnen präsent ist, und kommt ohne Glitzer-Bullshit und sinnlose Posen, die creepy und sexistisch wirken, aus. Aber die Sprünge sind nichts anderes als Turnabgänge, so fehlt Variabilität

18. Basketball

ein toller Sport, der bei Olympia gleichermaßen unter der Abwesenheit vieler Topspieler und der Überlegenheit der USA leidet

19. Beachvolleyball

wäre so gut wie Volleyball, oder dank der größeren Vielseitigkeit, die von Spieler_innen verlangt wird, noch besser. Aber leider sind die einzigen Klamotten, die bescheuerter sind als breiten-normierte Bikini-Höschen, breiten-normierte Bikini-Höschen über Regensachen

Regenoutfits

Die Beachvolleyball-Outfits prägten lange die öffentliche Wahrnehmung des Sports. Vor allem im Regen führen sie sich ad absurdum. Photo: Rachel Clarke © CC-by-NC

20. Kanu

ist wie Rudern ohne Eleganz

21. Kanuslalom

weist die größte Diskrepanz zwischer aufgebrachter Kraft und sichtbarer Dynamik aus. Außerdem erscheinen die Unterschiede zwischen Athleten etwas zufällig, sodass zwei Wertungsdurchgänge für mehr Fairness sorgen würden

22. Tennis

olympisches Tennis ist großes Tennis, aber nicht das größte Tennis

23. MTB

erfordert viel Kraft und Koordination und ist spektakulär, aber nicht fließend genug um wirklich großartig zu sein

24. Segeln

ist schon cool, aber nicht besonders zugänglich

25. Wasserball

ist wie Handball, mit dem Unterschied, dass man nicht sieht was passiert, weil alles wesentliche unter Wasser stattfindet

26. Fußball

braucht Olympia nicht, und Olympia braucht Fußball nicht

Apothenkenrundschau

27. Rad-Bahn

kann zwar spannend sein, wirkt aber zu eindimensional auf Kraft ausgerichtet

28. Rad-Straße

gerade die Rennen bei diesen Spielen hatten mit schweren Stürzen und unspektakulären Einläufen nur die falsche Art von Dramatik zu bieten. Leidet außerdem unter den selben Schwierigkeiten wie die beiden nächsten Kernsportarten

29. Schwimmen

hat eine komplexe technische Komponente, aber trotzdem stehen alle Siegleistungen unter latentem oder substantiellem Dopingverdacht - das ruiniert das Spektakel

30. Leitathletik

die Doping-Probleme sind offensichtlich nicht auf Radsport, Schwimmen, Gewichtheben und Leichtathletik begrenzt. Sie sind hier aber besonders prominent, und werden durch institutionelle Korruption und Inkompetenz noch verschärft

How's that sport?

31. Golf

wirkt nicht besonders sportlich und leidet darüber hinaus unter dem fadenscheinigen Fernbleiben großer Teile der Weltelite. Ist außerdem ziemlich unanschaulich

32. Rhythmische Sportgymnastik

soll künstlerischen Ausdruck in Form mess- und vergleichbarer sportlicher Leistung bringen. Dabei geht zwangsläufig eins dieser Elemente verloren

33. Synchronschwimmen

wie Rhythmische Sportgymnastik, nur mit Wasser. Ist wie letztere gesättigt mit konventioneller Heteronormativität, die abstrus-lächerlichen und gleichzeitig gequält wirkenden Ausdruck findet.

34. Schießen

ist eine jener Randsportarten, deren Verschwinden man nicht besonders bedauern müsste. Seit deutsche Sportsoldaten und -polizisten jede Menge Siege holen endgültig das Rodeln des Sommers

35. Ringen

wie Judo, nur mit Spandex, und mit absurden Posen, die irgendeine Sublimation andeuten.

36. Boxen

es gibt sicher Menschen, die Boxen als Sport sehen können. Mir fällt das sehr schwer

37. Gewichtheben

kein Spektakel, keine Finesse, viel Doping

38. BMX

geh zu den X Games

39. Reiten

"das Besitzerteam und meine Mäzenin waren großartig..."

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